Beeindruckende Solidarität

von Heike Papenfuss (Kommentare: 0)

Vor einem Jahr erschütterte eine Nachricht das Restaurante RIFF sowie die Gäste und Freunde des Sternekochs Bernd Knöller. Nachdem sie abends mit ihrer Familie im Restaurant gegessen hatte, war eine Frau in der Nacht darauf gestorben. Heute, ein Jahr später steht fest: Zwischen dem Tod der Frau und dem Essen im Restaurant kann kein direkter Zusammenhang hergestellt werden.

 

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als mich vor einem Jahr eine Freundin aus Valencia auf WhatsApp anschrieb und fragte, ob ich schon gehört  hätte, was im Restaurant meines Freundes Bernd Knöller passiert sei? Ich habe mich damals furchtbar erschreckt und sofort recherchiert. Als ich die Nachricht gelesen habe, dass eine Frau gestorben sei, nachdem sie im „RIFF“ gegessen hatte, konnte ich es nicht glauben. Bernd Knöller ist seit vielen Jahren ein sehr guter Freund und ich kenne seine Leidenschaft für das Kochen, für gute Produkte und für Qualität. Ich selber habe viele Male in seinem Restaurant gegessen und es war stets ein Genuss. Was war passiert?

Bernd Knöller hatte von seinem erfahrenen Pilzhändler, mit dem er seit 25 Jahren zusammenarbeitete, frische Morcheln gekauft, die er für ein Reisgericht verwendet hatte. Bei einigen Gästen waren nach dem Genuss dieses Gerichts leichte Vergiftungserscheinungen aufgetreten, wie Übelkeit, Erbrechen oder Kopfschmerzen. Morcheln können sowohl im rohen (was Knöller wusste) als tatsächlich auch im gekochten Zustand (was er nicht wusste) leicht giftig sein. Eine Frau aber war in der Nacht, nachdem sie das Gericht mit den Morcheln gegessen hatte, gestorben.

Bernd Knöller hatte nach dem Vorfall sofort entschieden, das Restaurant vorübergehend zu schließen. Der Schock und der Druck der Presse hatten es sowieso unmöglich gemacht, einfach so weiterzuarbeiten. Die Gesundheitsbehörde hatte schon am ersten Tag öffentlich über den perfekten Zustand der Küche berichtet, was in den Zeitungen – wenn überhaupt – ganz am Ende der Artikel erwähnt wurde.

Nun wurde vor ein paar Wochen das Ermittlungsverfahren gegen Bernd Knöller eingestellt, weil kein direkter Zusammenhang zwischen dem Tod der Frau und dem Restaurant hergestellt werden konnte.  So waren bei der betroffenen Frau wie bei anderen Gästen auch die Symptome einer leichten Vergiftung aufgetreten, doch der Obduktionsbericht der Gerichtsmediziner kommt eindeutig zu dem Ergebnis, dass die Frau eines natürlichen Todes durch akutes Atemversagen gestorben sei, was auf eine ältere Pathologie zurückzuführen ist.

Bernd Knöller hat während der letzten Monate viel Unterstützung erhalten, von Freunden und Kollegen, von vielen Gästen, deren Solidarität beeindruckend war. Sie haben das Restaurant sofort besucht, als es drei Wochen nach dem Vorfall wieder geöffnet wurde. Obwohl Bernd Knöller das Restaurant seit 26 Jahren betreibt, hatte er mit einer solchen Geste nicht gerechnet. Bernd Knöller: „Ich glaube, ich verdanke es vor allem meine Stammgästen, dass es das RIFF heute noch gibt.“

Nun wurde der Fall zu den Akten gelegt. Bernd Knöller und sein Team können wieder durchatmen und das tun, was ihnen am meisten Spaß macht: kochen. Der Guide Michelin hat das Restaurante RIFF übrigens auch für 2020 wieder mit einem Stern bewertet.

Auch ich freue mich schon auf das nächste Essen im RIFF. Ein kulinarischer Hochgenuss und ein wunderbares Erlebnis, zubereitet von einem Spitzenteam in der Küche und einem kompetenten und warmherzigen Team im Service.

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