Die Fallas in Valencia

von Heike Papenfuss (Kommentare: 0)

Die Fallas in Valencia

Wer sehr schreckhaft ist, sollte sich überlegen, ob er sich im März auf den Weg nach Valencia macht. Andererseits verpasst er dann eines der schönsten Feste Spaniens: die Fallas.

Ab 1. März knallt es in Valencia. Vor allem und besonders laut jeden Tag um 14 Uhr auf der Plaza del Ayuntamiento. Dann finden dort nämlich die Mascletás statt, traditionelle Feuerwerke, Konzerte aus Krachern und Böllern, manchmal auch mit Farbeffekten, und jedes mit einer ganz eigenen Choreographie. Unzählige Menschen stehen jeden Tag um das abgezäunte Areal auf der Plaza herum, in dem die Pyrotechniker alles für das minutenlange Spektakel aufgebaut haben und lauschen diesem „Konzert“, das übrigens sogar im Radio übertragen wird. Danach gibt es für die Pyrotechniker großen Applaus. Die Mascletás sind wirklich beeindruckend, wenn ich mir auch immer ein „halbes“ Ohr zuhalten muss, denn sie sind tatsächlich ohrenbetäubend laut. Tatsächlich ist es unglaublich, mit welcher Genauigkeit die Pyrotechniker dieses Konzert planen, das, einmal gestartet über Minuten alleine läuft. Die Mascletás findet jeden Tag bis zum Ende der Fallas am 19. März statt und tatsächlich klingt jede anders.

So richtig beginnen die Fallas dann in der Nacht vom 15. auf den 16. März. Dann nämlich werden „las Fallas“ in den Straßen der Stadt aufgestellt: Das sind riesige Figuren aus Pappmaché und Holz, die von Künstlern über Monate hinweg entworfen und gebaut werden. Sie zeigen meist Figuren und Szenen aus der Politik und der Kultur. Am frühen Morgen des 16. März müssen sie bereitstehen. Dann nämlich werden alle Figuren, in diesem Jahr immerhin über 750 Stück, von einer Jury bewertet und die schönste Falla wird prämiert. Die Valencianos haben nun einige Tage Zeit, durch ihre Stadt zu schlendern und sich die verschiedenen Figuren anzuschauen.

Die Tradition der Fallas ist übrigens schon ein paar Hundert Jahre alt. Ursprünglich verbrannten die Handwerker im Frühling in den Straßen der Stadt vor ihren Werkstätten die parots,  mehrarmige Lampengestelle aus Holz, die sie im Winter zur Beleuchtung benutzt hatten. Um das Feuer zu schüren, sammelten sie Holzreste und altes Gerümpel aus der ganzen Nachbarschaft. Später wurde dem parot mit Lumpen und einem Hut eine menschliche Gestalt verliehen. So entstand der ninot, die Fallas-Figur.

Während der Fallas wird gefeiert in Valencia. Und wenn gefeiert wird, darf hier Feuerwerk nicht fehlen. So gibt es jeden Abend um 24 Uhr ein atemberaubendes Feuerwerk zu bestaunen. Die Valencianos sind abends in den Straßen der Stadt unterwegs, hier und da wird Paella zubereitet, es wird gegessen und getrunken. Dann, am 17. und 18. März ziehen die Fallas-Vereine der Stadt zur Plaza de la Virgen, wo sie der heiligen Jungfrau der Schutzlosen, der Schutzpatronin Valencias, eine Blumengabe darbringen. Aus all den Blumensträußen, die die Falleros ihrer Jungfrau bringen, entsteht vor der Basilika ein 15 m hoher Blumenteppich, der den gigantischen Mantel der Jungfrau schmückt. Viele junge Mädchen träumen davon, einmal Fallera zu sein und die typische Tracht aus Seide und Brokat zu tragen. Das Kleid ist eine durchaus kostspielige Angelegenheit und das Ankleiden mitsamt der entsprechenden Frisur und den Accessoires erfordert Zeit und Geschicklichkeit.

Höhepunkt und Ende der Fallas ist am Abend des 19. März. Dann nämlich gehen um Mitternacht alle Figuren, alle Fallas, in Flammen auf. Die Hymne Valencias erklingt, das Fest ist vorbei und die eine oder andere Träne fließt. Mit einer Falla allerdings haben die Valencianos Mitleid, die schönste Figur wird begnadigt und im Fallas Museum in Valencia ausgestellt, wo alle ninots indultats (alle begnadigten Figuren) besichtigt werden können.

Fotos: www.visitvalencia.com

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