Eine Zeitreise in die Stadtgeschichte Valencias

von Heike Papenfuss (Kommentare: 0)

Wenn man über den Einfluss der arabischen Kultur in Spanien spricht, denkt man zunächst an Andalusien. Weniger bekannt ist, dass auch Valencia über 500 Jahre von den Arabern geprägt wurde. Nachdem sie ihre Macht eingebüßt hatten, lebten sie als mudéjares (unter christlicher Herrschaft lebender Moslem) und moriscos (mudéjar, der zum Christentum konvertieren musste) noch lange in der Stadt, wo sie als Kunsthandwerker und in der Landwirtschaft arbeiteten. Nach einer wechselvollen und grausamen Geschichte wurden dann Anfang des 17. Jahrhunderts die letzten moriscos aus der Stadt (und aus ganz Spanien) vertrieben.

Wie sich eine Stadt durch den Einfluss der Geschichte und verschiedener Kulturen über die Jahrhunderte hinweg entwickelt und wie das ihr Stadtbild und die Architektur prägt, kann man in Valencia auf sehr spannende und kurzweilige Weise mit Boris Strzelczyk erleben. Der Architekt ist zwar in Überlingen geboren, hat aber den größten Teil seines Lebens in Valencia verbracht und betrachtet sie als seine Heimatstadt. Boris hat in Valencia ein Architekturbüro und gehört außerdem seit 2009 zu den Guiding Architects, dem weltweit größten internationalen Netzwerk von örtlich ansässigen Architekten, die in ihren Städten Architekturführungen anbieten.

„Architektur und Städtebau sind der Leitfaden, um eine Stadt zu verstehen“, so Boris und deshalb ist die Stadtführung mit ihm Auftakt und fester Bestandteil des Programms im Rahmen meines Sprachkurses in Valencia. Ich kenne Valencia schon seit meiner Kindheit, aber tatsächlich gehe ich seit meiner ersten Führung mit Boris mit anderen Augen durch die Stadt. Boris hat uns mitgenommen auf eine spannende Zeitreise in die Stadtgeschichte Valencias. Wir haben viel erfahren über den Ursprung der Stadt und haben sie während der Führung wachsen und sich entwickeln sehen. Wir haben gelernt, warum etwa die Straßen in einem Viertel wie ein Schachbrettmuster angelegt sind und warum sie in einem anderen Viertel „kreuz und quer“ verlaufen. Wir haben gesprochen über den modernismo, den spanischen Jugendstil und erfahren, was der mit den Orangen und dem valencianischen Wohlstand Anfang des 20. Jahrhunderts zu tun hat. Und ich weiß nun, warum der Bahnhof, die Estación del Norte, den Norden im Namen trägt, obwohl er eigentlich im Süden der Stadt liegt…

   

Die Führungen sind ein Erlebnis und bringen uns die Stadt auf originelle Weise nah. Dabei sind sie ursprünglich ein Produkt der spanischen Wirtschafts- und Immobilienkrise, die den Architekten zwangen, sich nach einer zusätzlichen Beschäftigung umzusehen: „Heute verbinde ich die Arbeit in meinem Architekturbüro mit Führungen im öffentlichen Raum. Diese machen mir mittlerweile so viel Spaß, dass ich sie trotz der besseren Wirtschaftslage nicht mehr aufgeben möchte. Ich liebe es, meine Gäste für diese Stadt begeistern zu können.“ Dabei sind Architektur und Städtebau für Boris längst nicht das einzige, was Valencia besonders macht: „Valencia hat eine sehr hohe Lebensqualität. Das Klima ist fantastisch, man spürt die Nähe zum Mittelmeer, und es gibt gute, frische Lebensmittel aus der Umgebung. Die Menschen hier sind freundlich. Und Valencia ist eine Stadt, die kulturell etwas zu bieten hat, ohne eine stressige Großstadt zu sein.“

Und so gibt es für  Boris auch viele andere Dinge, die man sich als Besucher in Valencia auf keinen Fall entgehen lassen sollte: „Sich in der Altstadt treiben lassen, eine Fahrradtour durch den trockengelegten Turia-Fluss, ein Spaziergang an den Naturstränden und eine Bootsfahrt durch das Reisanbaugebiet La Albufera. Und natürlich eine Paella essen!“

Die Führung mit Boris Strzelczyk ist Teil meiner Sprach- und Genussreise nach Valencia. Termin 30.3. bis 4.4.2020.

Infos und Anmeldung: Die Rederei – PDL Sprachkurse Heike Papenfuss, www.rederei-sprachkurse.de, info@rederei-sprachkurse.de

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