Sommerkino

von Heike Papenfuss (Kommentare: 0)

Sommerkino...

Es war schon dunkel, als ich mit Ana und Rosa endlich zum Sommerkino aufbrach. Ihre Mutter hatte uns zuvor dicke bocadillos gemacht. Zwischen das frische, aufgeschnittene Weißbrot hatte sie ein saftiges Stück spanische Tortilla gelegt und alles fest in Alu eingepackt. Ich war aufgeregt. Es war das erste Mal, dass ich die beiden Mädchen, die mit ihren 15 und 16 Jahren deutlich älter waren als ich, zum Sommerkino begleiten durfte. Sommerkino, was so verlockend klang, war ein großes Areal, umgeben von einer hohen Mauer. Vorne eine große Leinwand, hinten eine Bar, wo man Getränke und Snacks kaufen konnte und dazwischen jede Menge Stuhlreihen, mit klapprigen, unbequemen Gartenstühlen. Vor dem Eingang warteten schon Cousins, Cousinen und Freunde von Ana und Rosa. Wir suchten uns gute Plätze und kauften uns an der Bar noch pipas, das sind in der Schale geröstete und gesalzene Sonnenblumenkerne.  Pipas gehör(t)en im spanischen Sommer am Meer unbedingt dazu. Profis lassen die Pipas im Mund verschwinden, spucken die Schale aus und essen den Kern… Andere, zu denen gehöre ich, knacken die Schale auf, holen den Kern raus und werfen die Schale weg… Insgesamt ein durchaus meditatives Sommererlebnis…  Schließlich begann der Film. Ich sprach damals noch kein Wort Spanisch und verstand weder von den Gesprächen um mich herum noch vom Film wirklich viel. Trotzdem war es einer der schönsten Abende in diesen Sommerferien am Strand in Spanien und es war eines der eindrücklichsten Erlebnisse meiner Kindheit…

… und ein Grund von vielen, warum ich Spanien und die Spanier noch heute so liebe. So schließt sich irgendwie der Kreis: Nach vielen Jahren im Journalismus, bin ich heute Sprachtrainerin für Spanisch. Ich arbeite mit einer besonderen, sehr lebendigen Methode, der Sprachdramaturgie, bei der das freie und spontane Sprechen im Mittelpunkt des Lernens steht. Meine Kurse gebe ich u.a. in Valencia, meiner Herzens-Heimat. Diejenigen, die Kurse besucht haben, sind begeistert, aber ich tue mich sehr schwer, Teilnehmer für meine Kurse zu finden. Wellness, Yoga, Selbsterfahrung, Achtsamkeitstraining etc. scheinen derzeit mehr im Trend zu liegen, als Sprachen zu lernen. Englisch reicht, mag manch einer denken. Ich glaube das nicht und mache weiter. Sprachen sind ein Teil unserer Kultur. Die Vielfalt der Sprachen ist eine kulturelle Vielfalt. Und die sollten wir erhalten. Sprache bringt Menschen miteinander in Beziehung und Sprache kann die Seele zum Klingen bringen. Mich hat nicht nur Spanien, sondern auch die spanische Sprache schon als Kind berührt. Sie gehört zu den Menschen und der Kultur, die ich liebe. Das glaube ich und deshalb mache ich weiter.

Hasta la vista, Heike

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